Gegen Rechts


Seit einer Woche nun füllen sich Plätze und Straßen Deutschlands im Protest gegen rechtes Gedankengut. Die immer wieder beschworene "Mitte der Gesellschaft" steht auf, lautstark und zahlreich. Das ist gut so, .... aber reicht das aus, um dieses ekelhafte, rückwärts gewandte und spalterische Denken und Handeln zu überwinden?

Nein!

Ich hege großen Zweifel, ob sich dadurch grundsätzlich etwas verändert. Die Frage muss doch sein: weshalb laufen so viele Menschen / Wähler den offensichtlich populistischen Parolen der AfD hinterher? Bei genauem Hinschauen kann ich nichts erkennen, was diese Partei aus eigener Initiative heraus vorantreibt. Sie nutzt nur die Schwächen derjenigen, die aktuell den Volkeswillen vertreten sollen, unmittelbar aus und treibt sie manchmal regelrecht vor sich her. Und sie haben derzeit scheinbar leichtes Spiel, denn die aktuelle Bundesregiereung ist mehr mit internen Querelen und Standortkämpfen beschäftigt als mit der Suche nach Lösungen für die anstehenden Probleme. Und der Rest der Opposition zerlegt sich entweder selbst oder ist dermaßen machtversessen, dass ich mich manchmal ernsthaft frage: " Ist der Wille zur Macht, der eines der Merkmale einer politischen Partei ausmacht, zum Selbstzweck verkommen"? Verstehen sich die gewählten Abgeordneten eigentlich als das, was sie laut Verfassung sind: "Volksvertreter"? Wieviel Sinn macht es, der Regierung Knüppel zwischen die Beine zu werfen, wenn am Ende des Tages der politische Nutznießer ganz rechts außen sitzt? Wenn ich einen als gefährlich eingeschätzten Gegner mit rechtsstaatlichen Mitteln in die Schranken weisen will, wäre es vielleicht klug, die eigene Machtgeilheit etwas zu zügeln und den Schulterschluss mit den verbliebenen demokratischen Kräften zu suchen. Das vermisse ich derzeit in Deutschland!

Unsere gegenwärtige Weltsituation verlangt Entscheidungen, die weh tun, die Opfer verlangen - von uns allen - und die vermutlich nicht ganz kompatibel sind mit dem Streben nach Besitzstandswahrung. Ich weiß: mit unpopulären Entscheidungen macht man sich keine Freunde, aber wenn es gelingt, die Notwendigkeit dieser Maßnahmen schlüssig zu kommunizieren und so das "Wahlvolk" mitzunehmen, habe ich wenigstens noch einen Funken Hoffnung, dass wir nicht schon am Ende des demokratischen Zeitalters angelangt sind.