Horst Janssen
Kurz vor Weihnachten führte mich mein Weg nach Oldenburg. Im dortigen Horst-Janssen-Museum wurde eine Ausstellung mit dem Titel "Love is a Battlefield" gezeigt, die sich mit der Frage auseinandersetzte, wie weit der Teil an Janssens Gesamtwerk, den man als "erotisch" bezeichnen könnte, auch mit heutigem Blick noch so gesehen werden kann.
Ich war besonders neugierig auf diese Ausstellung, denn ich teile mit Janssen die Leidenschaft für die Radierung. Schon in meinen Studienjahren in Berlin hatte mich sein Strich und die Dynamik in seinen Arbeiten fasziniert.
Wer sich schon einmal mit Janssens Lebensweg beschäftigt hat weiß, dass er - in schwierigen familiären Verhältnissen aufgewachsen - schon zu Beginn zum "enfant terrible" der spießbürgerlichen deutschen Nachkriegsgesellschaft wurde und seine Arbeit als "unsittlich" galt, was Janssen eher anzustacheln schien. Die Einstellung zu seiner erotischen Kunst sollte sich mit den späten 60er Jahren und der sogenannten "sexuellen Revolution" deutlich wandeln, waren seine offen sexuellen Bildthemen plötzlich en vogue. Und heute? In Zeiten von "Mee too" wirken manche seiner Arbeiten in Auswahl und Umsetzung der Bildthemen eher fragwürdig, manches auch inakzeptabel.
Geblieben ist die Bewunderung seiner technischen Fertigkeit und so stehe ich heute vor seinen Bildern recht zwiegespalten und muss erkennen, dass ich sein Werk nur losgelöst von seiner Persönlichkeit würdigen kann. Der Mann konnte zeichnen wie kaum ein anderer und er hat nicht davor halt gemacht, sich selbst in all seiner "Häßlichkeit" - die er als Alkoholiker und Choleriker durchaus verkörperte - darzustellen, ja fast zu entblößen, aber dem Teil seiner Kunst mit mehr oder weniger sexuellem Kontext kann ich heute nur gerecht werden, wenn ich mir die zeitlichen Bezüge immer deutlich vor Augen führe. Der Versuch, sich mit der Erklärung: "...die Welt war damals halt so ..." zu beruhigen, macht sein Frauenbild von damals nicht besser.
So bin ich mit sehr gemischten Gefühlen wieder nach Hause gefahren .... und habe mir die Woche darauf zwei seiner Selbstbildnisse als Reproduktion an die Wand gehängt!
Zeichnen konnte er wie der Teufel ... ich wünschte, ich könnte so zeichnen wie er!