Künstliche Intelligenz
Anfang der 70er Jahre bekam ich Bücher des polnischen Schriftstellers Stanislav Lem zu lesen. Eine seiner Geschichten faszinierte mich besonders: "Die lymphatersche Formel". Kurz gesagt ging es hierbei um einen Wissenschaftler, der aus seinem Forscher- und Erkenntnisdrang heraus eine Mensch-Maschine entwickelte und ihr dabei zusah, wie sie einem Perpetuum Mobile gleich an "Intelligenz" zugewann und - da sie sie als Maschine unsterblich war - sich permanent weiter entwickeln konnte. Im Gegenatz dazu sah der Wissenschaftler den Menschen, dessen Wissen und Verstand nicht "genetisch" vererbbar ist und mit dem Tod verloren geht, als Sackgasse der Evolution. Seine anfängliche Freude und Begeisterung wandelte sich aber zusehends in Angst und schließlich Wahn, weil seine Mensch-Maschine in immer schnelleren Zyklen dazulernte und bald an ihre Grenzen stieß: sie fand keine Probleme mehr, die sie reflektieren und lösen konnte, letztlich also im maschinellen Wahnsinn zu enden drohte und den Menschen, seinen Schöpfer, in letzter Konsequenz für überflüssig erklärte.
Lem hat diese Geschichte vor rund 50 Jahren geschrieben und ich ziehe wieder einmal den Hut vor diesem weitsichtigen Mann angesichte der gegenwärtigen Debatte um die Chancen und Risiken der sogenannten "Künstlichen Intelligenz", der aus meiner Sicht ein entscheidender Faktor als Kontrollmechanismus fehlt: die Empathie!
Überhaupt wünschte ich mir eine besser verteilte allgemeine Intelligenz über den gesamten Erdball hinweg, vielleicht hätten wir dann einige Konflikte weniger in der Welt!