Segeln
"Ich hatte eine Farm in Afrika...", das waren die einleitenden und gleichsam rückblickenden Worte von Karen Blixen, gespielt von der wundervollen Meryl Streep in der Romanverfilmung "Jenseits von Afrika". Ein Film - jenseits alle Oscarehren - der mich zutiefst fasziniert hatte, wegen seiner wundervollen Bilder, aber noch mehr wegen seiner vielfältigen Lebensweisheiten.
"Ich hatte ein Segelboot in Berlin"... so müssten wohl meine Worte lauten, wenn ich auf mein Leben zurück schaue. Wobei das Boot selbst letztlich nur das Vehikel war, viel entscheidender ist, was man damit tut: nämlich segeln. Vor gut 20 Jahren hat mir dieses Segeln auf meinem Boot wohl "den Arsch gerettet" , wie man so schön sagt.
Die Bedeutung des Segelns ist etwas, was in dieser hochmodernen, durchgetakteten Welt zunehmend verloren geht: zurückgeworfen sein auf etwas ganz Einfaches, in diesem Fall den Wind. In der Quintessenz geht es nur darum, wie ich mit Hilfe des Windes ein Boot von A nach B bringe ... nicht mehr, aber auch nicht weniger. Ich muss mich darauf einlassen, was der Wind mir vorgibt, ich kann ihn nicht beeinflussen, nur darauf reagieren und lernen, damit umzugehen. Und je besser man es beherrscht, umso erfüllender ist es. Dabei ist es egal, ob der Wind leicht oder kräftig bläst, das Ziel ist immer das gleiche, nur die Art und Weise meines Handelns ändert sich. Meine ganze Konzentration liegt immer nur darauf, angemessen auf das zu reagieren, was der Wind von mir verlangt. Und das hat mir damals geholfen, alles andere, was auf mich einstürmte, für diese Zeit des Segelns zu vergessen, runter zu kommen, wieder zu mir selbst zu finden. So gesehen hat Segeln etwas Meditatives.
Deshalb bin ich so dankbar, segeln gelernt zu haben. Auch wenn ich heute kein Boot mehr habe, so hilft mir die Erinnerung an dieses Gefühl dennoch, aus der komplexen, undurchdringlichen und manchmal überwältigen Realität unserer Welt zu entfliehen, bevor sie es schafft, mich aufzufressen.